Schafe salzen in der Schweiz

Stehen bei der Herde und Hüten im Klassischen Sinn, gab es auf der Alp eigentlich nicht. Da ist man die ganze Zeit auf Achse, bewegt sich sehr viel, kontrolliert Zäune, drückt Schafe in die andere Richtung oder holt sie von irgendwo wieder.

Gerade wenn man nicht die richtigen Hunde fürs Hochgebirge, sondern eher für eng strukturierte Landschaften hat, muss man eben selbst laufen.

Auch hier bin ich nicht am Hüten, sondern verteile Salz. Das ist im Gebirge eine gute Gelegenheit, um kranke Tiere zu fangen oder sie überhaupt aus der Nähe beobachten zu können. Auch die einzige Gelegenheit. Da die Tiere mich und Hunde ganz im Allgemeinen nicht kannten, war das gewohnte Engstellen mit Hund fast nicht zu machen.

Mit ein paar Tricks hat es doch geklappt, sie in eine mit Netzen aufgebaute Falle zu locken. Aber wenn da kein Strom drauf war, sind sie schneller wieder weg gewesen, als ich schauen konnte.

Auch beim Salzen ist es beileibe nicht so, dass alle zu dir kommen. Es gibt einige Spezialisten, die würden dich am liebsten über den Haufen rennen, um an das weiße Gold zu gelangen. Die “Roten”, die man unten auf dem Bild sieht – die Farbmarkierung zeigt in dem Fall den Besitzer an – waren immer für sich und auch eine sehr unruhige Gruppe. Aber wenn sie den Salzeimer sahen, waren sie immer die Ersten und überraschend auch die Aufdringlichsten. Sie gehören zur Rasse Weißes Alpenschaf (WAS), vielleicht die am weitesten verbreitete Rasse in der Schweiz. Angeblich sollen sie gut auf den Standort angepasst sein, aber ich habe keine schönen Schafe dieser Rasse gesehen. Da gefallen mir andere Bergschafrassen weit besser.

Andere wiederum sind sofort weg, sobald du nur in ihre Nähe kommst. Wenn du dann noch den Fanghaken dabei hast, ist alles aus. Du hast maximal eine Chance.

Dafür könnte ich meine Tochter bei den Herden, die ich in Deutschland gehütet habe, niemals den Salzeimer so in die Hand drücken, wie auf dem Bild zu sehen ist. Die würden sie einfach über den Haufen rennen. Zu irgendetwas ist die Scheu dann doch gut.

Das “Salz” ist übrigens ein genau auf die Bedürfnisse von Schafen abgestimmtes Mineralfutter. Das Salzen als Technik, um die Schafe zusammen zu holen, ist sicher uralt.

Erste Eindrücke vom Kaulenbachtal

Die Gegend rund um Cochem ist wunderschön. Beeindruckend sind die Zeugnisse der bergbaulichen Vergangenheit, wie zum Beispiel das Kaulenbachtal, wo früher Schiefer in zahlreichen Gruben abgebaut wurde.

Derzeit werden diese Flächen maschinell und mit großem Aufwand gepflegt. Dies wäre mit Schafen einfacher zu bewerkstelligen.

Die Flächen rings um die Schieferhalden sind sehr mager und verfügen über einen großen Artenreichtum.

Hier wachsen mediterrane Kräuter wie Thymian und Wilder Dost. Dieser ist auch als Oregano bekannt. Die Schafe meiden ihn, weshalb er während der Blüte wunderschön zur Geltung kommt, was auch für die Nase ein Genuss ist. Häufig trifft man in solchen “Wildgärten” Unmengen von Schmetterlingen an.

“Der Oregano bietet Nektar an, der bis zu 76 % Zucker enthalten kann. Eine Saftdecke aus Haaren bildet einen Schutz. Die Blüten werden besonders gern von Honigbienen besucht. Auch zahlreiche Schmetterlingsarten, wie zum Beispiel das Große Ochsenauge, der Schachbrettfalter oder das Kleine Wiesenvögelchen und Schwebfliegen stellen sich ein.” wikipedia

 

Ohnehin arbeiten Bienen und Schafe sehr gut zusammen: Dort, wo Schafe grasen, steigt gemeinhin der Artenreichtum. Auch kommen viele Pflanzen zur Blüte, die von den Tieren wegen ihrer reichhaltigen ätherischen Öle gemieden werden.. Deshalb lohnt es sich, Honig vom Imker zu holen, der seine Völker in solchen Refugien stehen hat.

Auch als die Gruben noch aktiv waren, gab es dort kleine Wiederkäuer: Nicht umsonst nennt man eine Ziege auch “Bergmannskuh”.