Ein paar Eindrücke aus dem Winter

Dieses Jahr war ich wirklich schreibfaul. Aber das Material liegt alles auf dem Rechner.

Hier ein paar Bilder von der Winterweide und aus dem Stall.

Alles in allem war es ein warmer Winter mit üppiger Weide, auch wenn es keine Eicheln, Äpfel und dergleichen Früchte gab.

Die gesamte Route war neu und spannend. Wir hatten das Glück, bei Mendig eine Winterweide zu finden, die wir pachten konnten.

Die Hunde genießen die Dezembersonne.

Der erste Schnee. Aber schnell wieder weg.

So sieht es dann Weihnachten bei Schäfern aus. Ziehen durchs Feld. Aber zu sehen, dass der junge Hund so etwas schon richtig gut hinkriegt, ist natürlich auch ein echtes Geschenk. Gerade mal ein halbes Jahr alt.

Die Lammzeit beginnt.

Hüten bei Bell am Laacher See.

Die Streuobstwiesen bei Kottenheim und Thür. Ein Stück Kulturlandschaft, das, wenngleich schon in starkem Maße im Rückgang begriffen und auch hier schon ganz schön kaputt, wieder Unterstützung erfährt.

Hier ist seit ein paar Jahren ein richtig großer Verein gewachsen, der die Streuobstwiesen reaktiviert. Und tatsächlich: Der Gürtel rund um die Dörfer sieht selbst im Winter toll aus.

http://www.kotteme-streuobstwiesen.de/startseite.html

Der zweite Schnee. Das war es dann auch schon. Mittags sah es dann schon wieder so aus:

Scheren 2020

Dieses Jahr ging unsere Wolle an die Genossenschaft Finkhof aus dem Allgäu.

Die verarbeiten die Wolle weiter zu Produkten wie Pullover, Socken, Teppichen oder Ähnlichem.

Einfach ein gutes Gefühl, wenn man weiß, dass die Schafe das ganze Jahr nicht nur Sondermüll auf ihrem Rücken spazieren tragen.

Im Zuge dessen bekamen wir diesen wunderschöne Schieferschild geschenkt. Es stammt von den Kaulenbacher Schieferhalden, wo wir auch hüten.

Hüten am Stadtrand

Hüten am Rand von Städten hat Vor- und Nechteile: Der Vorteil ist, man begegnet mehr Menschen. Und der Nachteil, man begegnet mehr Menschen.

Auf alle Fälle wird alles ein wenig anstrengender. Mehr Hundgassigänger, mehr Menschen, für die Natur Naherholungsgebiet ist, im Gegensatz zu den Leuten, die ich sonst treffe: Für die ist die Umwelt meist Arbeitsplatz.

Aber es gibt auch einmal nen Kaffee auf der Weide. Oder wie heute: Da laufe ich mit der Herde an einem Jungen und seiner Mutter vorbei, er ist vielleicht zehn Jahre alt.

Der Junge schaut die Schafe an, als stünde er das erste Mal in seinem Leben vor einem Weihnachtsbaum, mit Kerzen drauf und Geschenken drunter.

Das ist vielleicht alles Quatsch mit der Schäferromantik, aber jener Junge wird diesen Moment noch lange nicht vergessen.

Und ich auch nicht.

Fernsehbericht über Nordwolle Rügen

Am 22. November kommt im NDR eine Doku über Nordwolle Rügen. Eben jener Marco Scheel von Nordwolle hat unsere Fuchschafwolle gekauft, um daraus etwas Schönes herzustellen.

Die Kleidung wird komplett in Deutschland produziert, mit einem Rohstoff, der für andere überhaupt keinen Wert hat.

In der Textilwelt ist Nordwolle Rügen so etwas wie Schafe in der Landwirtschaft. Wir produzieren auf der Grundlage von etwas, was auf dem Markt keinen oder einen sehr geringen Wert besitzt.

Zwar gibt es im Outdoorsegment schon länger eine Rückkehr zur Naturfaser, ABER dabei handelt es sich um superfeine Merinowolle, die in unseren klimatischen Breitengraden wegen zu hoher Niederschläge gar nicht hergestellt werden kann.

Die Wolle von Landschafen ist viel gröber, die Fuchsschaf-Wolle hat eine Feinheit von 33 bis 36 Mikron. Die Wolle des einheimischen Merinolandschafs hat 26-28 Mikron. Es gibt Merinorassen mit einer Feinheit von 16 Mikrometern. Zum Vergleich: Das menschliche Haar liegt etwa bei 30 Mikrometern.

Und um das mal ganz frei von der Leber weg zu sagen: Er zahlt sehr anständig, weit über dem Marktpreis 😉

Meine Wolle ist damit zwar immer noch nix wert, aber immerhin ist die Schur kein Verlustgeschäft. Das können viele Schäfer leider nicht sagen.

Schaut rein, ich tu auch:

NDR: die nordstory – Wolle for future – Wie das Pommernschaf die Modewelt umkrempelt
Freitag, 22. November 2019, 20:15 bis 21:15 Uhr

Über den Häusern von Treis

Treis gehört zu den eher schwierigen Ecken auf unserer Runde. Alles ist recht steil und eng. Gerade das macht aber auch die Schönheit aus. Und wenn man dann auf dem Martberg ankommt, wie dieser Tage geschehen, meint man fühlen zu können, wie alt diese Wege und Orte sind.

Unser Dank gilt Herrn Günster, der uns mit der Erlaubnis, sein Grundstück überqueren zu dürfen, enorm geholfen hat. Es ist wie ein Nadelöhr, durch das man eine ganze Herde bugsieren muss – aber es funktioniert.

Nachdem ich dieses Jahr auf dem Hinweg gesehen habe, wie die Herde die schmalen Weinbergsmauern hinauf und hinunter läuft, war mir auch vor den Treppen auf Herrn Günsters Grundstück nicht mehr bange.

Und siehe da – sie laufen es, als würden sie den ganzen Tag nichts anderes tun.

Und ich werde belohnt mit einer weiteren wunderbaren Perspektive über den Ort “Vicus Cardena”.

Neue Standpunkte

Letztens hat mich ein Freund besucht und ein nettes Spielzeug mitgebracht: Eine Drohne.
Ganz nebenbei ist der Mann auch noch ein guter Fotograf, und so sind einige schöne Aufnahmen entstanden. Aber überzeugt euch selbst; für mich waren diese Blickwinkel ganz neu und spannend.


Dass er auch noch andere Dinge außer Schafe fotografieren kann, könnt ihr auf Holgers Seite ansehen. Dort hat er auch beschrieben, wie er sein eigenes Tiny House gebaut hat. Mit allen Zahlen und Fakten – kann man eigentlich direkt nachbauen.

SWR war da

Heute kam die SWR-Wetterredaktion der Landesschau in Lütz vorbei, um unsere Schafe nach dem Wetter zu befragen. Wenn mein Leitschaf “Gutehilde” nach dem Aufstehen mit dem Schwanz nach links wedelt, gibt es Regen. Wedelt sie nach rechts, herrscht Sonnenschein. Ein tolles Tier.

Wer sich das gern anschauen möchte, kann das hier tun.

Nun wollen einen solche Kamerateams ja beim Alltag filmen. Was schwierig ist, weil sie ja alles durcheinander bringen 😉

Aber es macht Spaß, Kamerateams beim Alltag zu beobachten. Da bekommt man alles geboten. Sogar die Judorolle rückwärts. Zum Glück ohne Kamera.

Das obere Bild ist aktuell, das untere ist im Frühjahr auf der gleichen Fläche entstanden. Den Herbst finde ich dann doch immer ein wenig reizvoller…

Artikel in der FAZ

Julian Staib von der FAZ hat einen netten Artikel über uns gemacht:

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/warum-der-berufsstand-schaefer-bedroht-ist-16384639.html

Man merkt richtig schön, wie abgearbeitet ich im Juli war 😉

So ein Artikel verkürzt die eigene Position auch immer ein wenig, weil jemand durch die Auswahl der Zitate und das In-Kontext_Setzen zu den Aussagen anderer schon eine Wertung vornimmt, die nicht unbedingt meine Meinung widerspiegelt. Aber im Großen und Ganzen gefällt er mir recht gut. Der kauzige Schäfer…