Warum gibt es das Projekt?

Die Beweidung durch Schafe ist ein wichtiges Werkzeug für den Naturschutz und den Erhalt unserer Kulturlandschaft. Sowohl Nutzen als auch Einfluss sind viel größer als man gemeinhin annimmt:

    • Schafe sind mobil – Eine Herde Wanderschafe kann gut und gerne 10 Kilometer laufen, um zu einer neuen Wiese zu gelangen.
    • Schafe tragen das Leben mit sich – Die Wolle und der Verdauungstrakt des Schafes dienen als Samentaxi für zahlreiche Pflanzenarten. Auch „reiten“ viele Insekten mit. So können wir einzelne Biotope, die für sich genommen klein und gefährdet sind, miteinander verbinden und seltenen Tier- und Pflanzenarten helfen, über ihre Grenzen hinaus zu wachsen.
    • Schafe sind genügsam – Schafe brauchen nicht immer nur vom allerbesten Futter, um zu gedeihen. Bei manchen Flächen ist es notwendig, dass sie auch einmal das schlechte Gras abweiden, um seltenen Tier- oder Pflanzen-Arten eine Chance zu geben, in dieser Nische zu gedeihen. Zum Beispiel wächst überall auf den Schafweiden der Schwäbischen Alb der Wilde Dost, eine herrliche Bienen- und Schmetterlingsweide. Bei Schnittnutzung wäre er längst verschwunden. Wegen seines hohen Gehalts an ätherischen Ölen verschmähen die Schafe ihn und so bilden sich nach und nach regelrechte Blühwiesen heraus. Die in diesem Dokument erwähnten Flächen, die für den Apollofalter gepflegt wurden, gehören übrigens auch zu unserer Wanderroute. Initialpflege sieht oft gut aus, ist aber teuer und nach ein paar Jahren des Nicht-Beweidens leider verpufft. Nur mit ständiger Bewirtschaftung kann man die Verbuschung durch Schwarzdorn oder Ginster aufhalten.
    • Schafe haben den goldenen Tritt – Mit ihren kleinen Klauen können sie viele Hänge ersteigen, ohne dem Boden zu schaden. Gerade am Deich macht man sich diese Form der Bearbeitung zu nutze. Interessanterweise gibt es ein Bodenbearbeitungsgerät, das den Tritt der Schafe nachstellt: Die Cambridge-Walze, die bei der Aussaat eingesetzt wird zur Wiederherstellung der Bodenkapillarität, Krümelung der Schollen und Einebnung der Bodenoberfläche.
    • Schafe kann man hüten – Durch das Hüten sind wir dazu in der Lage, Nährstoffe gezielt zu verteilen. So können wir ein bestimmtes Areal ausmagern, um den Artenreichtum zu erhöhen und bestimmte Arten zu fördern, indem wir die Schafe dort hüten und sie des Nachts in eine andere Ecke oder auf einen Acker legen. Dort bringen sie die aufgenommenen Nährstoffe in Form von niedlichen kleinen schwarzen Kügelchen wieder aus. Auch können wir Flächen beweiden, bei denen der Aufwand, Zäune zu stellen, viel zu hoch ist.
    • Schafe leben von absolutem Futter – das bedeutet, sie können von Nahrung leben, deren Nährstoffe wir nicht für uns aufschließen können . Außerdem kann man Schafe auf Flächen halten, auf denen man niemals Ackerfrüchte oder gar Gemüse anbauen könnte, weil sie viel zu nährstoffarm und oft auch zu unwegsam sind. Und sie sind dazu in der Lage, Nachlese zu betreiben. Auch ein Stoppelacker mit Auswuchs oder Ernteresten vom Mais oder ein Rapsauswuchs sind für Schafe noch ein gefundenes Fressen, das anderenfalls lediglich eingearbeitet wird.