Wie ein Schaf durchs Nadelöhr

Das ist unser Sortiersystem, auch “Trichter” genannt. Es besteht aus einzelnen Hurden und ein paar Spezialelementen, die man zusammenstecken kann. Es ist fix auf- und abgebaut; alles was man braucht, ist eine einigermaßen ebene Fläche.

Im Prinzip funktioniert unser System wie eine Sanduhr – nur mit Schafkörnern.

Wenn die Schafe das System gewohnt, laufen sie sehr gut hindurch. Im Behandlungsgang können wir viele unserer Routinearbeiten erledigen. Sortieren, Entwurmen, Einzeltierbehandlung oder das Aussuchen der Nachzucht. Auch zur Schur bauen wir es auf.

Vorne und hinten sind zwei Galgen angebracht, mit denen man den Gang schließen kann.

In Deutschland gibt es nur wenige Hersteller für solche Systeme. Die schafreichen Länder des früheren Empire haben da weit ausgefeiltere Systeme. Leider kommt man da schwer ran oder es wird unverhältnismäßig teuer.

Auch unser TÜV ist da ein Problem. Es gibt Behandlungsanhänger, die sind schlichtweg genial. Aber die muss man bei uns auf einem anderen Hänger transportieren.

Hüten lernen

Seit letztem Winter haben wir einen neuen Hund.

Leela kommt aus einer Schäferei an der Eifel. Sie ist natürlich auch ein Altdeutscher Hütehund, die Eltern sind vom Schlag Strobel und Schafpudel.

Wir arbeiten mit ihr von Beginn an.

Erst mal muss sie lernen, auf Arbeit zu gehen: Auto fahren, überall mit hin kommen, nicht zu allen Leuten lernen, Grundgehorsam. Dann Impulskontrolle.

Wenn dann noch ein anständiges Bleibekommando wie “Steh” etabliert ist, kann es losgehen mit der richtigen Arbeit an den Schafen.

Einen Trieb zu lenken ist nur möglich, wenn ich Werkzeuge habe, die funktionieren.

Der Hund kann nur selbstständig arbeiten, wenn er die Grenzen annimmt, innerhalb derer er dies tun darf.

Auf dem Bild kann man erkennen, wie der junge Hund in der Kurve liegt und den Acker beschützt. Sie liegt genau auf dem Druckpunkt und hält den Druck auch bis ganz zum Schluss aus, obwohl die anderen Hunde am Laufen sind.

Das ist eine ganz bemerkenswerte Eigenschaft von ihr: Sie ist angesichts dieses Drucks der Herde ganz schön angstfrei. Es wäre leichter für sie, wenn sie dort steht statt sich abzulegen. Die Herde hat dann mehr Respekt vor ihr.

Leider hat sie da eine Fehlverknüpfung entwickelt. Aber wir sind auf einem guten Wege.

“Platz” ist als Kommando aber viel fester als “Steh”: Getrippelt ist man leichter als aufgestanden. Das ist dann die Herausforderung, während der Entwicklung nichts von der Festigkeit des Kommandos zu verlieren.

Denn liegen bleibt sie, bis das letzte Schaf an ihr vorbei ist. Stoisch.

Zwei Wochen nach diesem Foto ist sie da schon ein gutes Stück weiter gekommen:

Näheres zu den Altdeutschen Hütehunden findet man zum Beispiel hier:

https://www.a-a-h.org/aufgaben-ziele/diehuetehundschlaege.html

Hüten an der Staustufe in Müden an der Mosel

Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal auch an der Mosel zwischen Treis-Karden und Müden gehütet.

Früher zogen hier im Herbst und im Winter immer Schäfer durch mit weit größeren Herden als der unseren.

Unser Beruf wird aussterben. Aber solange es geht, werden wir die Fahne hochhalten.

Ich wünsche mir, dass in dreißig Jahren vielleicht nochmal jemand mit Schafen herum läuft und dann jemand sagt: “Ja, komm nur her mit deinen Schafen. Früher kam hier immer der Wanderschäfer durch.”

Dann ist unser Teil getan.

In der Mittagspause gibt es dann ne Räucherforelle beim Moselfischer Barden. Auch nicht mehr viele von übrig…

Schafe, Insekten, Vögel und wir

Artenvielfalt ist ein umfangreiches Feld. Alles ist miteinander verkettet, Tausend winziger Zahnräder halten ein System am Laufen.

Das macht es natürlich schwierig, einzelne Entscheidungen oder Veränderungen in einem System beobachten und auf eine Ursache zurückführen zu können.

Trotzdem gibt es hin und wieder interessante Studien, vor allen Dingen grundsätzlicher Natur. Also Beweidung “ja oder nein”.

Dazu ist mir gerade etwas Interessantes untergekommen: Eine Studie aus dem Nationalpark Schwarzwald über Beweidung und Dungkäfer:

Untersuchungen aus England zeigen, dass ein etwa 600 Kilogramm schweres Rind mehr als elf Tonnen Dung im Laufe eines Jahres auf der Weidefläche liefert. Dieser Dung wird von etwa 120 Kilogramm Insektenlarven genutzt.

Zitat aus obigem Dokument

Und da kommen dann wieder die Vögel ins Spiel, die man hierzulande immer weniger hört. Es ist eben nicht damit getan, Hecken zu pflanzen, Spritzmittel zu verbieten und Hauskatzen des Mordes zu verdächtigen.

Weidetiere wie Schafe sind treiben einen Motor an, die Prozesse beschleunigen und intensivieren, die man so einfach gar nicht überblicken oder messen kann.

Zum Abschluss auch noch ein Wort zum leidigen Thema CO2-Bilanz: Solange Wiederkäuer von absolutem Grünland – Flächen, auf denen man nichts anders anbauen kann – leben und extensiv gehalten werden, können sie niemals schlecht für unser Klima sein.

Erst, wenn man Wiederkäuer von dort füttert, wo man auch für Menschen verwertbare Lebensmittel herstellen kann, könnte das Verhältnis kippen. Und wahrscheinlich nicht mal immer, denn auch diese Prozesse sind viel zu komplex, um eine so einfache Aussage treffen zu können.

Ein paar Bilder aus Senheim

Senheim ist einer unserer Hauptorte für den Sommer geworden. Durch eine große Zahl an Wingertsbrachen, die für uns alle gut erreichbar sind, eignet sich fast die gesamte Lage zum Hüten.

Das ist ein Bild aus einer der Brachen, die wir jetzt noch einmal neu hinzu genommen haben. Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich diese durch die Beweidung verändern wird.

Ich sehe die Veränderungen auf den Brachen noch, doch ich denke, dass der Anblick für die Menschen vor Ort schon normal geworden ist. Selbstverständlich sozusagen.

Hinzu kommt, dass die Veränderung durch Beweidung natürlich langsam geht. Oder in einem solch feuchten Jahr wie diesem auch gar nicht so recht vorwärts kommt.

Dauergrünland, Weidesysteme kann man eben nicht einfach umbrechen und neu einsehen.

Auch Mulchen macht nur in begrenztem Ausmaß Sinn. Es muss immer auf die mögliche Beweidung angepasst sein und nicht umgekehrt. Sonst wächst alles viel schneller wieder zu, als man es frei gestellt hat.

Aber wir kommen wieder, Senheim 😉

Ein Blick ins Faserlexikon

Ich habe gerade etwas Interessantes gefunden. Das Faserlexikon von Chantimanou. In diesem Video stellt sie die Wolle des Fuchschafes vor.

Auch wenn ich ihr nicht zustimmen kann, dass das Fuchschaf ursprünglich aus Coburgh kommt – lediglich Otto Stritzel, quasi der Vater des Rassestandards, kommt von dort – so hat sie doch ganz viele Dinge zu sagen, wie ein Blick mit der Lupe auf diese tolle Faser…

Insektenhotels

Da kann Mensch sich noch so viel Mühe geben und mit Heißklebepistole sowie Material aus dem Baumarkt herumwerkeln, aber da kommt man nicht ran:

Die Natur baut die besten Insektenhotels eben einfach selber. Da kommt es dann halt auch einfach einmal darauf an, nen toten Baum mal stehen oder liegen zu lassen.

Und hier kann dann auch Beqweidung mal wieder eine ihrer Stärken ausspielen. Da wo kein Mulcher mehr durchpasst, haben die Schafe noch drei Mal Patz.

Direkt neben diesem Totstamm hier stand noch einer, ebenso tot auf den ersten Blick: In einer seiner Höhlen brütet gerade ein Meisenpärchen. Die flitzten wie die Irren den Ganzen Tag über der Herde hin und Her. Scheißjob 😉

Und klar, diesen Schwarzdornaufwuchs können die Schafe nicht vernichten – dafür ist es zu viel auf einmal. Aber sie können ihn eindämmen, zurückhalten, hemmen. Im besten Fall wird es Krüppelschwarzdorn und als solche eine ausgezeichnete Schmetterlingspflanze.

Die neue Mitarbeiterin

Seit Mitte Januar beschäften wir einen neue Mitarbeiterin.

Was ihr an Erfahrung fehlt, macht sie mit Talent und eisernem Willen wett.

Das ist Leela. Sie ist ebenfalls eine Altdeutsche Hütehündin, wie meine anderen Hunde auch. Ein ganz feines Tier, unheimlich ruhig und konzentriert, von Beginn an eigentlich. Und bis in die Haarspitzen motiviert.

Dieses Talent kommt nicht von ungefähr, sie stammt aus einer anderen Schäferei hier in der Eifel. Über Jahrtausende wurden diese Hunde auf ihre Hüteleistung selektiert. Sie jagen mit uns, lediglich die Endsequenz – der Kehlbiss – wurde ihnen abgezüchtet.

Die Altdeutschen sind harte, selbstständige Hunde, auch ziemlich gesund. Da sie in mehreren verschiedenen Schlägen daherkommen, halten die Menschen sie oft für Mischlinge. Aber man kann auch nach anderen Kriterien züchten als auf Aussehen…